Die Präsidentin von Brot für die Welt, Dr. Dagmar Pruin, ruft zur Solidarität mit den Betroffenen auf.
Viele Menschen schotten sich ab vor Krisen und Kriegen. Die Präsidentin von Brot für die Welt, Dr. Dagmar Pruin, ruft zur Solidarität mit den Betroffenen auf.
Sehnsucht – dieses leise, manchmal verzehrende Ziehen im Inneren – ruft uns zu bekannten und unbekannten Orten und Menschen. Sie zieht uns zu einem Bild von der Welt und einem Zusammenleben, das wir bereits erlebt haben, oder in eine Zukunft, die wir uns erträumen. Sehnsucht entsteht im Zwischenraum zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte. Sie ist ein inneres Drängen, das uns auffordert, die Welt nicht so zu lassen, wie sie ist, sondern sie sich so vorzustellen, wie sie sein könnte – und sie entsprechend zu gestalten.
In einer Zeit, die von Unsicherheit, Gewalt und wachsenden Ungleichheiten
geprägt ist, ist diese Sehnsucht nicht bloß ein romantisches oder gar zu vernachlässigendes Gefühl: Sie ist Antrieb, Gewissen und Prüfstein zugleich. Eine meiner Sehnsüchte als Präsidentin von Brot für die Welt ist einfach
und radikal zugleich: Ein Leben in Würde für alle Menschen. Die Würde,
als Zustand und als Recht, als Maßstab politischen Handelns, als Bedingung
unserer Solidarität und unserer Menschlichkeit.
Die menschliche Würde ist kein juristisches Schlagwort allein. Alle Menschen sind gleichermaßen im Bild Gottes geschaffen: Das Menschsein eines jeden Menschen wird bedingungslos anerkannt und zur Grundlage der biblischen Ethik. In Würde zu leben, heißt deshalb auch: genug zu essen zu haben, Zugang zu Gesundheit, zu Bildung und Schutz vor Gewalt, politische Teilhabe und die Chance, die eigene Zukunft zu gestalten. In Würde zu leben, heißt, nicht Objekt fremder Interessen, sondern das Subjekt eigener Lebensentwürfe zu sein. Ein Leben in Würde ist nicht nur das private Glück des Einzelnen: In einer vernetzten Welt bestimmt sich das eigene Leben unentziehbar über die Lebensumstände der Nächsten – auch der fernen Nächsten. Wirtschaftlich, klimatisch, politisch.