Die Eisenbildhauerin Hilke Leu bringt ein Material, das für Härte und Gewicht steht, zum Schreiten und Innehalten. In der Klosterkirche Amelungsborn lebt und arbeitet sie vier Wochen als Artist-in-Residence – als Künstlerin auf Zeit. Dort begegnen ihre Pilger einem Schwarm aus Papier, dem wechselnden Licht und einem Tod, der nicht droht, sondern mitgeht.
Hilke Leu steht auf der Leiter hinter dem Altar und befestigt einen weißen Vogel aus Papier. Dann steigt sie hinunter, prüft den Schwarm, nimmt den nächsten und klettert wieder hinauf. So wächst eine Wolke aus 750 gefalteten Staren in den Kirchenraum, dahinter leuchten die bunten Fenster.
Wer sich vom Vogelschwarm abwendet und nach links ins Seitenschiff geht, trifft dort auf andere Reisende. Sie sind kaum größer als zwei Handflächen, jede aus Stahl geschmiedet. Einer schreitet mit einem Stab voran, einer liegt erschöpft auf kantigem Holz, ein anderer steht auf einer schiffsähnlichen Baumrinde. Die Figuren erinnern an einen Kreuzweg, doch sie erzählen vom Unterwegssein: von Müdigkeit und Voranschreiten, Schutz und Einsamkeit, Begegnung und Abschied. Bei einer Figur geht sogar der Tod mit. Nicht als Bedrohung, sondern an der Seite des Wandernden, den Arm beinahe beschützend um ihn gelegt.
„Unterwegs.Sein“ nennt Leu das Thema. Der Punkt hält das Sprechen kurz an, trennt Gehen und Sein und verbindet beides. „Unterwegs.Sein heißt für mich, im Hier und Jetzt zu sein“, sagt sie. Fast hätte sie geschrieben: „Ich gehe, also bin ich.“ Dann lacht sie.