Im Zweifel können Rituale helfen

Dunkle Zukunftsaussicht im Alter

Hildesheim – Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende, Wolfgang Huber, sieht die Ursache für den großen Anklang der Thesen Thilo Sarrazins in der älter werdenden Gesellschaft. „In der Folge neigen die Menschen eher zu dunklen Zukunftsaussichten“, sagte Huber in der Diskussion mit Navid Kermani. In der Migrationsgesellschaft sei dagegen häufig die   „Alterspyramide umgekehrt“, es gebe mehr junge Menschen. In dieserSituation finde eine Titel wie „Deutschland schafft sich ab“reißenden Absatz. Sarrazins Buch trage jedoch nichts zurreligiös-politischen Integrationsdebatte bei, sagte Huber.


Kermani betonte, Deutschland sei in den vergangenen Jahrzehnten„einiges gelungen.“ Es habe eine gewaltige Einwanderung gegeben, die dazu geführt habe, dass ein Drittel der Menschen einen Vater oder eine Mutter mit Migrationshintergrund hätten. Innerhalb von 40 Jahren habe sich die Zusammensetzung der Gesellschaft stark geändert. „Gastarbeiter sind eingeladen worden ohne die Bemühung, sie zu integrieren.“ Die einzigen, die sich um die Integration gekümmert hätten, seien die „Gewerkschaften und die Kirchen“ gewesen, sagte Kermani. Er habe Deutschland immer als weltoffen empfunden, darum sei er vom Ausmaß der Zustimmung zu den Thesen Sarrazins um so empfindlicher getroffen.    

(epd/Michael Eberstein)

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