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"Müssen wir wirklich in die Karibik fliegen?"

Klima-Diskussion mit Franz Josef Radermacher, Dunja Dogmani, Utz Claasen und Ralf Meister

"Was machen wir, wenn statt einer Million Flüchtlinge plötzlich hunderte Millionen nach Europa und zu uns drängen?", fragte Professor Franz Josef Radermacher hinein in den vollbesetzten Vortragsraum der Sparkassen-Zentrale am Raschplatz.

Utz Claassen, Christoph Dahling-Sander, Landesbischof Ralf Meister, Dunja Dogmani, Landgerichtspräsident Ralph Guise-Rübe und Sparkassenvorstand Heinrich Jagau (Foto: Harald Koch)

"Finden wir eine Lösung, oder ist das dann das Ende der uns bekannten Zivilisation?"

Radermacher, Mitglied des ronommierten "Club of Rome", setzt sich seit Jahren für eine gerechte Globalisierung ein, in der Sparkasse sprach er auf Einladung der Hanns-Lilje-Stiftung und von Landgerichtspräsident Ralph Guise-Rübe von 130 geladenen Gästen über das Thema "Klimawandel, Klimaflüchtlinge, Gerechtigkeit". Hauptproblem der Menschheit sei derzeit die Bevölkerungsexplosion: SEit dem Jahr 2000 seien 1,5 Milliarden Menschen hinzugekommen, bis 2050 werde die Welt um weitere 2,5 Milliarden Menschen wachsen, besonders in Afrika und Indien. Nur Wohlstand könnte dieses Wachstum stoppen, Vorbild sei China, wo derzeit mehr gebaut und investiert werde als wirgendwo sonst auf der Erde. "Aber das darf nicht zulasten des Klimas gehen, sonst werden aufgrund der steigenden Erwärumung immer mehr Menschen nicht dort leben können, wo sie derzeit leben", so der Professor.

220 Millionen Klimaflüchtlinge werde es in naher Zukunft geben, schätzt eine Greenpeace-Studie, "damit es nicht so weit kommt, sind alle gefragt", sagte Unternehmer und Ex-96-Präsident Professor Utz Claassen in der anschließenden Podiumsdiskussion: "Politik, Wirtschaft, aber auch jeder Einzelne von uns."

Franz Josef Radermacher (Foto: Harald Koch)


"Müssen wir wirklich im Urlaub in die Karibik fliegen, wo wir doch das Glcük auch vor der eigenen Haustür finden können?", fragte Dunja Dogmani, die im ARD-Serienklassiker "Lindenstraße" eine Flüchtlingsfrau aus Tunesien spielt: "Wir können alle überlegen, was wir wo kaufen und ob wir das wirklichen brauchen." Sie forderte "mehr Mitgefühl. Was irgendwo auf der Welt passiert, darf uns nicht kalt lassen, weil es uns auch betrifft. Die Industrienationen sind dafür mitverantwortlich, wenn die Dritte Welt in Armut untergeht." Radermachers Lösungsvorschlag, in Afrika mehr auf die Landwirtschaft zu bauen und durch Aufforstung in den Tropen Wälder zu schaffen, die den Klimawandel hemmen, begrüßte Landesbischof Ralf Meister, der dritte Diskutant. "Aber wir müssen auch hier bei uns etwas tun - und lernen, dass Flüchtlinge künftig zu usnerem Alltag gehören. Ob sie vor der Erwärmung oder vor Kriegen fliehen." Denn da ist der Theologe sicher: "Flüchtlingsströme werden eines der globalen Themen des 21. Jahrhunderts werden. Daran wird sich entscheiden, wie wir alle in Zukunft leben werden und leben wollen."

Text: Christoph Dannowski (Neue Presse)