Artikel

20 Jahre Landeswettbewerb Evangelische Religion – ein Ritual!

Ein Blick auf die öffentliche Meinung zeigt: Religion steht in der Diskussion. Religion wird hinterfragt – und Religionsunterricht mit ihr. Umso notwendiger ist es, das Fach Evangelische Religion stark zu machen und stark zu halten. In diesem Fach werden Fragen nach Leben und Glauben aufgeworfen und Antworten in christlicher Perspektive angeboten und diskutiert. Dazu ist es gut, sich mit den Formen zu befassen, die das Leben gestalten. Rituale gehören mehr denn je zu Lebensformen in einer Zeit, in der Orientierung gefragt ist – Orientierung im Alltag, im Blick auf Zukunft: Was trägt? Was gibt Sicherheit? Was fühlt sich vertraut an?

20 Jahre Landeswettbewerb Evangelische Religion

Dass es sich lohnt, über Rituale nachzudenken, zeigte die Prämierungsfeier des 9. Landeswettbewerbs Evangelische Religion am 04. Juni 2018 in der Neustädter Hof- und Stadtkirche in Hannover – sie ist inzwischen selbst zu einem Ritual geworden, das Arbeiten in Form von Portfolios im Fach Ev. Religion in ganz anderer Weise als Leistungen würdigt. Schülerinnen und Schüler wurden mit etlichen Glückwünschen und Laudationes bedacht, mit erfrischenden wie sanften Songs des Gesangsduos Annie Heger & Vanessa Maurischat besungen und mit Büchern und Geld beschenkt. Schirmherrin Dr. Beatrice von Weizsäcker, Kultusminister Grant-Hendrik Tonne, Oberlandeskirchenrätin Andrea Radtke, Bevollmächtigte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachen, und der Vorsitzende des Rates der Konföderation Landesbischof Ralf Meister beglückwünschten das Engagement der Jugendlichen und dankten den Religionslehrkräften für die Begleitung der Arbeiten. An der Würdigung der Preistägerinnen und Preisträger beteiligten sich u.a. die frühere Landessuperintendentin Oda-Gebbine Holze-Stäblein, Superintendent a.D. Wolfgang Loos, der Leiter des Diözesanmuseums Osnabrück Dr. Hermann Queckenstedt, Oberkirchenrat Dr. Marc Wischnowsky sowie Prof. Dr. Christoph Dahling-Sander von der Hanns-Lilje-Stiftung und Thomas Schlichting von der Heinrich-Dammann-Stiftung. Prof. Dr. Christoph Dahling-Sander bedankte sich mit Glückwünschen für die erfolgreiche zwanzigjährige Zusammenarbeit mit dem RPI Loccum.

Die Idee zu dem zweijährig wiederkehrenden Wettbewerb kam einst aus dem Religionspädagogischen Institut Loccum, das ihn seitdem durchführt; initiiert und gefördert wird der Wettbewerb seit 1998 durch die Hanns-Lilje-Stiftung sowie zum zweiten Mal ebenfalls durch die Heinrich-Dammann-Stiftung. Am diesjährigen Landeswettbewerb zum Thema RITUALE hatten sich 461 Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs und der Oberstufe mit insgesamt 174 Einzel- und Gruppenbeiträgen in Form von Portfolios beteiligt. Dozentin Kirsten Rabe vom RPI Loccum, Koordinatorin und Ideengeberin für die inhaltliche Ausrichtung, lobte die eingereichten Arbeiten, die in vielfältiger Weise die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit Funktion, Bedeutung und Aktualität von Ritualen in unterschiedlichen Kontexten sowie mit deren lebensförderlichen und lebensfeindlichen Ausprägungen widerspiegeln. Das inhaltliche Spektrum der eingereichten Beiträge ist weit und reicht von der Bedeutung von Ritualen bei Taufe bis zu Bestattung, im Christentum bis in andere Religionen, in westlichen Kulturen bis zu Papua-Neuguinea, von Kontexten wie Sport bis zu Musik, in Kindheit bis zum Alter und von zerstörerischer bis zu heilender Wirkung.

Bei der Prämierungsfeier wurden Einzel- und Gruppenbeiträge von Schülerinnen und Schülern des 10. Jahrgangs bzw. der Oberstufe mit Buchpreisen sowie mit Geldpreisen zwischen 100 und 600 Euro ausgezeichnet. Den ersten Preis, mit 600 Euro dotiert, erhielten in der Gruppenwertung Johannes Wittmeier, Benno Neuhaus und Ben Kutzbach vom Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium, Hannover (betreuende Lehrerin: Stephanie Schwarz) mit dem Portfolio „Schenken und Beschenktwerden: Vom traditionell-christlichen Ritual zur zwanghaften Kaufschlacht?“. Janne Sophie Borgaes („Der Schabbat. Ein jüdisches Ritual“) und Ines Krüger („‘Alle Jahre wieder`- Weihnachtsrituale durch Raum und Zeit“) vom Gymnasium Andreanum in Hildesheim, beide betreut von Annegret Warneke, belegten gemeinsam den ersten Platz mit ihren Einzelbeiträgen. Neben weiteren Geldpreisen wurden 103 Buchpreise ausgelobt.

Auf der Website des RPI Loccum finden sich die Preisträger, das Grußwort der Schirmherrin, die Jury und die einzelnen Laudationes.

Text: PD Dr. Silke Leonhard, RPI Loccum