Loccumer Gespräche

im Refektorium des Klosters Loccum.
Abstand vom Alltag - Raum zum Austausch - Impuls zur Orientierung

Loccumer Gespräche 2011 (Foto: Dethard Hilbig)
Loccumer Gespräche 2011 (Foto: Dethard Hilbig)

Die Loccumer Gespräche der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers finden seit 2007 in Kooperation mit der Hanns-Lilje-Stiftung, der Evangelischen Akademie Loccum, dem Kloster Loccum und NDR Info statt.

Loccumer Gespräche 2015

Was ist gute Medizin im Alter?

Loccumer Gespräche 2015 zu Ethik und Verantwortung in der Medizin

Loccumer Gespräche 2012 (Foto Jens Schulze)
Loccumer Gespräche 2012 (Foto Jens Schulze)

Die medizinische Versorgung alter Menschen stellt sowohl das Gesundheitssystem als auch Ärztinnen und Ärzte vor besondere Herausforderungen. Das betrifft zum einen Fragen der medizinischen Versorgung: Je älter die Patienten sind, mit desto mehr Krankheiten haben sie zu tun. Infolge dessen, werden sie häufig mit vielen unterschiedlichen Medikamenten behandelt, deren Wechselwirkungen oft nicht genau bekannt sind. Nicht jede Behandlung, die man bei einem jüngeren Patienten durchführt, empfiehlt sich auch bei älteren Menschen, weil für diese das Risiko des Eingriffs oft größer ist. Was ist hier das rechte Maß einer guten medizinischen Versorgung? Welche Behandlungen sind medizinisch noch angemessen?

Auf der anderen Seite stehen ethische Fragen und Fragen der Kommunikation: Menschen in höheren Lebensalter haben häufiger Schwierigkeiten sich auf die komplexe und schnelllebige Wirklichkeit insbesondere eines Krankenhauses einzustellen. Es braucht hier besondere Sensibilität und v.a. Zeit für Gespräche und für eine Aufklärung, die die Lebenssituation alter Menschen ernst nimmt. Häufig steht dabei die Frage im Raum, ob eine Behandlung in diesem Alter noch sinnvoll ist: Eine Entscheidung, die letztlich nur der Patient selber treffen kann. Aber dafür muss er seinen Lebensumständen entsprechend aufgeklärt werden. Zeit ist aber im Gesundheitssystem eine knapp bemessene Ressource. Wie also müssten die Abläufe in Krankenhäusern verändert werden, was können einzelne Ärzte tun, um sich auf die Lebenswirklichkeit alter Menschen einzustellen?


Darüber diskutieren vor geladenen Gästen:

1. Medizinethik
Dr. Mark Schweda, Lichtenberg Kolleg, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Universitätsmedizin Göttingen

2. Geriatrie
Prof. Dr. Klaus Hager, Chefarzt der Klinik für medizinische Rehabilitation und Geriatrie, Diakoniekrankenhaus Henriettenstiftung, Hannover

3. Medizin-Management und Ökonomie
Inken Holldorf, Techniker Krankenkasse, Leiterin der Landesvertretung Niedersachsen

Landesbischof Ralf Meister wird den Impuls geben.

Ulrike Heckmann, NDR Info, wird moderieren.

„Behandlungsleitlinien berücksichtigen den multimorbiden oder gebrechlichen Menschen oft nicht. Die Medizin im Alter muss daher noch individueller auf den alten Patienten zugeschnitten sein. Heilung als Behandlungsziel rückt zugunsten von funktionellen (z.B. Gehen können) oder psychosozialen Aspekten (z.B. in die eigene Wohnung zurückkehren) in den Hintergrund. Auch im hohen Alter möchten die Menschen über ihr Leben selbst entscheiden (z.B. über medizinische Eingriffe oder Maßnahmen am Lebensende). Die Absprachen dafür erfordern mehr Zeit, eine Abstimmung mit den Angehörigen ist oft nötig.“

Prof. Dr. med. Klaus Hager ist Internist sowie Facharzt für physikalische und rehabilitative Medizin. Seit 1992 arbeitet er als Chefarzt des Zentrums für Medizin im Alter am Diakoniekrankenhaus Henriettenstiftung in Hannover. 2000 wurde er zum APL-Professor an der MHH ernannt und koordiniert dort seit 2004 die Ausbildung der Studierenden im Fach „Medizin des Alterns und des alten Menschen".

„Der Zweck der Medizin ist die Hilfe für Kranke. Die Ökonomie dient dazu als Mittel. Der Trend zur Ökonomisierung des Gesundheitswesens hat seinen Ursprung in den vielfachen Anforderungen an eine hochwertige medizinische Versorgung bei gleichzeitig begrenzten Ressourcen. Er ist ein unvermeidlicher Motor zur Verbesserung der Effizienz des Systems. Für die Techniker Krankenkasse führt dieser Prozess zu akzeptablen Ergebnissen, wenn Humanität und Ganzheitlichkeit wichtige Kriterien für die Versorgung sind, unabhängig vom Alter. Die Souveränität des Patienten ist zu jedem Zeitpunkt des Behandlungsprozesses zu stärken.“

Inken Holldorf ist seit 2014 Leiterin der Landesvertretung Niedersachsen der Techniker Krankenkasse (TK). Nach ihrer Ausbildung zur Volljuristin war sie in unterschiedlichen Unternehmensbereichen der TK tätig und überwiegend mit Versorgungsfragen befasst. Seit 2004 ist sie mit Leitungsfunktionen betraut.

„Sozialwissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass ältere Menschen bei gleicher Erkrankung weniger medizinische Versorgung erhalten als jüngere. Ist dies nun Zeichen einer angemessenen Berücksichtigung der besonderen Verfassung und Lage der Älteren? Oder findet hier im Gegenteil eine ethisch fragwürdige Vorenthaltung medizinischer Leistungen auf Grund unreflektierter Altersbilder statt? Eine Antwort erfordert eine offene Verständigung darüber, was es überhaupt bedeutet, alt zu werden und zu sein, und welche Rolle die moderne Medizin dabei spielen soll.“

Dr. phil. Mark Schweda ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Göttingen. Er studierte Philosophie und Germanistik in Berlin und Nottingham (UK) und war zu Forschungsaufenthalten an der Lancaster University (UK) und der University of California, Berkeley. Zu seinen Schwerpunkten zählen Altern und Lebensverlauf, Medizinethik im soziokulturellen Kontext sowie zur Politischen Philosophie.


NDR Info sendet eine Zusammenfassung der Diskussion im Rahmen der Reihe „Das Forum“ voraussichtlich am 13. Juli 2015 ab 20.30 Uhr.
Näheres unter: www.ndr.de/info

Kooperationspartner

NDRinfo

Wir danken für die Unterstützung der Ärztekammer Niedersachsen und dem Zentrum für Gesundheitsethik, Hannover.

Aktuell

Hanns-Lilje-Forum und Verleihung des Hanns-Lilje-Stiftungspreises Freiheit und Verantwortung zum Thema "Wissenschaft, Technik und Wirtschaft für das...

Weiterlesen

Drei Initiativen und zwei Wissenschaftlerinnen für „Hanns-Lilje-Stiftungspreis Freiheit und Verantwortung“ nominiert

Welche Rolle spielt Empathie im...

Weiterlesen

Tagung vom 10. März bis 12. März 2017 in der Evangelischen Akademie Loccum in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus St. Jakobi Hildesheim

Weiterlesen

30. März bis 1. April 2017 in Hannover

Rund 550 Notfallseelsorger/innen werden am 18. Bundeskongress Notfallseelsorge und Krisenintervention...

Weiterlesen