Loccumer Gespräche

im Refektorium des Klosters Loccum.
Abstand vom Alltag - Raum zum Austausch - Impuls zur Orientierung

Loccumer Gespräche 2011 (Foto: Dethard Hilbig)

Die Loccumer Gespräche der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers finden seit 2007 in Kooperation mit der Hanns-Lilje-Stiftung, der Evangelischen Akademie Loccum, dem Kloster Loccum und NDR Info statt.

Loccumer Gespräche 2014

Gewalt im Einsatz: Polizisten als Opfer und Täter?

Loccumer Gespräche 2014 zu Ethik und Verantwortung in der Polizei

Loccumer Gespräche 2012 (Foto Jens Schulze)
Loccumer Gespräche 2012 (Foto Jens Schulze)

Fußballspiele, Großdemonstrationen, Gewalt auf der Straße und Familienstreitigkeiten: Wenn Polizeibeamte zum Einsatz gerufen werden, sind oft Aggressionen im Spiel. Die Gewaltbereitschaft gegen Polizeibeamte steigt, so das Bundeskriminalamt und verschiedene Studien. Doch nicht immer sind Polizisten die Opfer, manchmal (re-) agieren sie auch selbst gewalttätig. Medien berichten von unverhältnismäßig harten Einsätzen der Polizei. Der Vorwurf von Polizeigewalt auf der einen, Gewalterfahrungen und Hilflosigkeit auf der anderen Seite verhärten die Fronten. Überfordern wir die Polizei? Brauchen wir eine bessere Ausbildung für Konfliktsituationen? Müssen wir Gewalt gegen Beamte härter bestrafen? Oder sind auch aggressive Beamte ein Problem? Ist eine Kennzeichnungspflicht überfällig?


Darüber diskutieren vor geladenen Gästen:

Prof. Dr. Rafael Behr, Professor für Polizeiwissenschaften am Fachhochschulbereich der Akademie der Polizei Hamburg,

Uwe Binias, Landespolizeipräsident Niedersachsen, Hannover, und

Ines Pohl, Chefredakteurin der taz, Berlin.

Dr. Stephanie Springer, Präsidentin des Landeskirchenamtes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, wird den Impuls geben.

Ulrike Heckmann, NDR Info, wird moderieren.


„Die Definition von Polizisten und Polizistinnen als generelle ‚Opfer‘ ist genauso falsch und kontraproduktiv wie die generelle Zuschreibung als ‚Täter/innen‘. Gewalt ist ein Interaktionszusammenhang, der strukturelle und Akteurs bezogene Komponenten in sich trägt aber auch viele soziale ‚Regeln‘, von denen wir allerdings nicht alle kennen. Konfliktpotential ergibt sich in der Phase der ‚Nochnicht-Gewalt‘. Ich plädiere dafür, dass die Polizei(führung) ‚Gewalt‘ ins Zentrum der Polizeikultur aufhebt, damit es nicht in der Polizistenkultur alleine bearbeitet werden muss.“


Prof. Dr. Rafael Behr ist seit 2008 Professor für Polizeiwissenschaften am Fachhochschulbereich der Akademie der Polizei Hamburg. 15 Jahre war er als Polizist in Hessen tätig, danach studierte er Soziologie und Psychoanalyse in Frankfurt a.M. Anschließend war er Dozent an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Güstrow, von 1995 bis 2005 Wiss. Mitarbeiter an der Universität Frankfurt/M.


„Polizistinnen und Polizisten müssen in Ausübung ihres Amtes staatlich legitimierte Gewalt ausüben. Oftmals werden aber auch Polizisten selbst Opfer von Gewalt, ganz vereinzelt sind sie sogar Täter. Um unsere Kolleginnen und Kollegen in diesem Spannungsfeld bestmöglich vorzubereiten, legen wir im Rahmen von Aus- und Fortbildung seit langem einen Schwerpunkt auf Deeskalation, Gewaltvermeidung, Selbstschutz und alternative Konfliktlösungsstrategien.“


Uwe Binias ist seit 2011 Präsident des Landespolizeipräsidiums im Innenministerium des Landes Niedersachsen. 1975 wurde er bei der Polizei des Landes Niedersachsen eingestellt, von 2000 bis 2007 war er Referatsleiter ‚Personal‘ für den Bereich der Landespolizei, Landespolizeidirektor im Innenministerium und Vertreter des Leiters der Polizeiabteilung, von 2007 bis 2011 war er Polizeipräsident der Polizeidirektion Hannover.


„Die Auseinandersetzung mit der Frage, wann Polizisten in ihren Einsätzen eher Täter oder eher Opfer sind, muss strukturell geführt werden. Individuell gibt es natürlich beide Wirklichkeiten. Wir brauchen eine Diskussion darüber, wie PolizistInnen ausgebildet werden, wie die Betreuung und die psychologische Begleitung vor und nach Einsätzen verlaufen. Es muss diskutiert werden, wie die Arbeit von PolizistInnen evaluiert und kontrolliert wird. Und es muss endlich offen darüber gesprochen werden, dass die Opfer von Polizeigewalt nicht selten Minderheiten sind: AsylbewerberInnen, Obdachlose oder Demoteilnehmende.“


Ines Pohl ist seit Juli 2009 Chefredakteurin der taz. Nach ihrem Studium der Skandinavistik und Germanistik arbeitete sie an der Universität Göttingen. 2004/2005 war sie als Stipendiatin der Nieman Foundation for Journalism an der University of Harvard. Bevor sie dann als politische Korrespondentin für die Mediengruppe Ippen in Berlin arbeitete, leitete sie das politische Ressort der Hessischen/ Niedersächsischen Allgemeinen.


NDR Info sendet eine Zusammenfassung der Diskussion im Rahmen der Reihe „Das Forum“ voraussichtlich am 21. Juli 2014 ab 20.30 Uhr.
Näheres unter: www.ndr.de/info

Podcast Loccumer Gespräche 2014, NDR Info >

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