Berichterstattung Preisverleihung

Bischof Meister kritisiert Flut angeblicher Vorbilder in den Medien -
Ministerpräsident McAllister ruft zur Mäßigung in politischer Debatte auf

Hanns-Lilje-Forum am 11.4.2011

Hannover (epd). Der neue hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat eine Flut vermeintlicher Vorbilder kritisiert, die in Gesellschaft und Medien permanent produziert werde. "Wir haben nicht zu wenig Vorbilder, wir haben zu viele", sagte er am Montagabend in Hannover in einer Diskussion mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU). Allerdings gebe es nur wenige echte Vorbilder mit einem klaren Auftrag, einem Dienst in Demut und einem klaren Bewusstsein dafür, womit sie anderen dienen wollten.

In seiner ersten öffentlichen Diskussion nach seiner Amtseinführung zeigte sich der evangelische Bischof skeptisch gegenüber einem medialen "Marktplatz, auf dem wir unsere Vorbilder aufstellen, um sie gleich wieder davonzujagen". Dabei gehe es meist nur um öffentliche Aufmerksamkeit. "Ich wünsche mir mehr Menschen, die in einem Auftrag für andere Vorbild sind", betonte Meister. Echte Vorbilder hätten die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion und ein klares Bewusstsein für eigene Stärken und Schwächen. Meister war Ende März als Bischof von Deutschland größter evangelischer Landeskirche eingeführt worden.

Ministerpräsident McAllister rief bei der Veranstaltung der hannoverschen Hanns-Lilje-Stiftung zur Mäßigung in der politischen Debatte auf: "Wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir uns gegenseitig persönlich attackieren und uns die Achtung verweigern." Niemand dürfe sich wundern, wenn die Bürger das dann nachmachten.

Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit seien das wichtigste Kapital für Politiker, sagte der CDU-Politiker "Das Rückgrat der repräsentativen Demokratie ist das Vertrauen der Wähler in die Repräsentanten und ihre guten Absichten." Hier würden die politisch Verantwortlichen jeden Tag einem Test unterzogen, "einem harten Test".

Zum Hanns-Lilje-Forum waren etwa 400 geladene Gäste aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Kirche in die Neustädter Kirche gekommen. Erstmals wurde bei der Veranstaltung der mit 20.000 Euro dotierte Hanns-Lilje-Stiftungspreis vergeben. Er ging an den Historiker und Theologen Nils Ole Oermann aus Lüneburg und an die Hamburger Volkswirtin Maria Lehner.

(epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen, 11.4.2011)

Der neue hannoversche Landesbischof Ralf Meister kritisiert Flut angeblicher Vorbilder in den Medien (Foto Jens Schulze)
Der neue hannoversche Landesbischof Ralf Meister kritisiert Flut angeblicher Vorbilder in den Medien (Foto Jens Schulze)

Ministerpräsident McAllister distanziert sich deutlich von Atomenergie

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) distanziert sich von der Kernenergie (Foto Jens Schulze)
Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) distanziert sich von der Kernenergie (Foto Jens Schulze)

Hannover (epd). Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) hat sich deutlich von der Kernenergie distanziert. "Es gibt keine gesellschaftliche Mehrheit für Kernenergie in Deutschland, es gibt sie schon seit 1986 nicht mehr", sagte er am Montagabend in Hannover mit Blick auf die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren. Dem klaren Bekenntnis zum Ausstieg müsse jetzt der ebenso klare Einstieg in anderen Energieformen folgen.

Der Ministerpräsident bezeichnete die Staatsverschuldung und die Energiepolitik als die beiden wichtigsten Politikfelder der Zukunft. "Ja, auch ich habe früher bei der Kernenergie eine Fehleinschätzung vorgenommen", betonte McAllister. Der CDU-Politiker sprach bei einer Veranstaltung der evangelischen Hanns-Lilje-Stiftung zum Thema Glaubwürdigkeit und diskutierte mit dem neuen hannoverschen Landesbischof Ralf Meister über Vorbilder.

(epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen, 11.4.2011)

Volkswirtin und Theologe mit erstem Hanns-Lilje-Stiftungspreis geehrt

Hannover/Lüneburg (epd). Der Lüneburger Theologe und Historiker Professor Nils Ole Oermann und die Hamburger Volkswirtin Maria Lehner sind am Montagabend in Hannover mit dem ersten Hanns-Lilje-Stiftungspreis geehrt worden. Die Auszeichnung ist nach Angaben der in Hannover ansässigen evangelischen Hanns-Lilje-Stiftung mit 20.000 Euro dotiert.

Der 37-jährige Oermann erhielt den Preis für seine Habilitationsschrift über das Thema "Protestantische Wirtschaftsethik unter den Bedingungen globaler Märkte". Lehner (33) wurde für ihre Dissertation über "Mikrokreditvergabe und die Rolle multinationaler Banken" ausgezeichnet. Die Preisträger wurden zu Beginn einer Podiumsdiskussion mit dem neuen hannoverschen Landesbischof Ralf Meister und dem niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU) in der Neustädter Hof- und Stadtkirche geehrt.

Der "Hanns Lilje Stiftungspreis Freiheit und Verantwortung" ist nach Angaben der Stiftung bundesweit einzige Wissenschaftsauszeichnung für Kirche, Theologie und Gesellschaft. Er soll künftig alle zwei Jahre mit wechselnden Themenvorgaben verliehen werden. Die Stiftung wurde 1989 von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers gegründet und ist nach dem ehemaligen Landesbischof Hanns Lilje (1899-1977) benannt. Sie startete mit einem Kapital von mehr als 10 Millionen Euro und fördert rund 100 Projekte pro Jahr.

(epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen, 11.4.2011)

Die Hamburger Volkswirtin Maria Lehner (Foto: Jens Schulze)
Die Hamburger Volkswirtin Maria Lehner (Foto: Jens Schulze)
Der Lüneburger Theologe und Historiker Professor Nils Ole Oermann (Foto: Jens Schulze)
Der Lüneburger Theologe und Historiker Professor Nils Ole Oermann (Foto: Jens Schulze)

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